Was Robert Musil uns heute über Verantwortung, Energie und Transformation lehrt
- Frank Hummel

- vor 1 Tag
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Es gibt gesellschaftliche Krisen, die kommen mit einem Knall. Und es gibt jene, die leise beginnen.
Nicht mit Zusammenbrüchen, nicht mit Revolutionen –sondern mit einer schleichenden Entkopplung von Realität.
Der Schriftsteller Robert Musil hat diesen Zustand bereits vor über hundert Jahren vor dem 1 Weltkrieg präzise beschrieben. In seinem Werk begegnen wir Eliten, die hochgebildet, moralisch sprachfähig und organisatorisch perfekt sind – und dennoch den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren.

Eliten – nicht dumm, sondern entrückt
Musil kritisiert keine Eliten im Sinne von Macht oder Reichtum. Er beschreibt eine geistige Elite, die:
über Werte spricht
Programme entwirft
Prozesse perfektioniert
Diskurse beherrscht
Aber dabei zunehmend den Bezug zur konkreten Wirkung verliert.
Nicht Bosheit ist das Problem. Sondern Abstraktion.
Gesellschaften zerfallen nicht an fehlendem Wissen, sondern daran, dass Eliten Realität durch Sprache ersetzen.
Wie Realitätsverdrängung entsteht
Diese Verdrängung geschieht nicht offen, sondern strukturell:
Komplexität ersetzt Verantwortung
Effizienz ersetzt Moral
Systemtreue wird wichtiger als Urteilskraft
Entscheidungen sind formal korrekt, juristisch abgesichert und kommunikativ sauber. Aber sie werden nicht mehr innerlich getragen.
Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, die funktioniert –in der sich aber immer weniger Menschen beheimatet fühlen.
Der Bezug zu Energie und Klima
Gerade im Bereich Energie und Klima wird dieses Muster sichtbar.
Wir erleben:
ambitionierte Ziele ohne Umsetzungslogik
Strategiepapiere ohne physikalische Bodenhaftung
moralische Narrative ohne Verantwortung vor Ort
Energie ist jedoch keine Ideologie. Energie ist Realität – physikalisch, ökonomisch, infrastrukturell.
Transformation scheitert nicht am fehlenden Willen, sondern an fehlender Bereitschaft, sich von der Realität korrigieren zu lassen.
Warum große Systeme besonders gefährdet sind
Große Organisationen sind auf Stabilität ausgelegt. Das ist ihre Stärke – und zugleich ihre Schwäche.
Je größer das System, desto größer:
die Distanz zur Wirkung
die Absicherung gegen Irrtum
die Versuchung, Verantwortung zu delegieren
So entsteht institutionelle Haltung. Aber innere Haltung wird ersetzt.
Dezentrale Verantwortung als Gegenentwurf
Erneuerbare Energien, energieautarke Gebäude und lokale Lösungen stehen deshalb nicht nur für Klimaschutz, sondern für etwas Grundsätzlicheres:
Verantwortung dort, wo Wirkung entsteht
Urteilskraft statt bloßer Regelkonformität
Resilienz statt Abhängigkeit
Dezentrale Energie ist kein romantisches Ideal. Sie ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit.
Der Musil-Gedanke für unsere Zeit
Musil hätte es vielleicht so formuliert:
Die Gesellschaft zerfällt nicht, weil Werte fehlen,sondern weil sie funktional ersetzt werden.
Menschen funktionieren korrekt –aber sie fühlen sich nicht mehr zugehörig.
Warum Frank Hummel Consulting
Transformation braucht mehr als Strategien, Förderprogramme oder PowerPoint-Folien. Sie braucht innere Haltung, Urteilskraft und die Bereitschaft, Verantwortung nicht auszulagern.
Frank Hummel Consulting begleitet Unternehmer, Organisationen und Entscheider dabei, Energie-, Gebäude- und Mobilitätslösungen nicht nur technisch richtig, sondern verantwortlich und wirksam umzusetzen – nah an der Realität, vor Ort, mit langfristigem Blick.
Denn die entscheidende Frage unserer Zeit lautet nicht:
Haben wir genug Wissen?
Haben wir genug Technologie?
Sondern:
Sind wir bereit, Verantwortung wieder persönlich zu tragen –auch gegen Bequemlichkeit, Narrative und Systemlogik?
Leitsatz:
Gesellschaften zerfallen nicht an fehlendem Wissen, sondern daran, dass Eliten Realität durch Sprache ersetzen.


