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Vom Gebäude zur Energiezentrale

Mehrfamilienhäuser als Energiezentralen: Chancen für Wohnbaugenossenschaften und Real-Estate-Entwickler


FHC Messe Immobilien Messe Stuttgart 2025
FHC Messe Immobilien Messe Stuttgart 2025

Die Rahmenbedingungen im Wohnungsbau haben sich radikal verändert:

Steigende Energiepreise, Druck auf die Nebenkosten, Sanierungsanforderungen, Klimaziele – und gleichzeitig Mieter:innen, die planbare Gesamtkosten und Komfort erwarten.


Für Wohnbaugenossenschaften und professionelle Immobilienentwickler stellt sich damit eine zentrale Frage:

Wie schaffen wir Gebäude, die langfristig wirtschaftlich funktionieren – und zugleich zukunftsfähig, komfortabel und vermietbar bleiben?

Meine klare Antwort nach über 30 Jahren Praxis mit elektrifizierten Gebäuden:


Gebäude müssen zu Energiezentralen werden.


Gebäude als Energiezentrale – was heißt das konkret?

Ein modernes Mehrfamilienhaus oder Quartier sind heute mehr als „Wohnfläche mit Heizung“ – es ist ein Energie-Asset, das:

  • Strom erzeugt (Photovoltaik auf Dach und ggf. Fassade),

  • Energie speichert (Batteriespeicher/BESS),

  • elektrische Wärme bereitstellt (Infrarot, Wärmepumpe oder hybride Konzepte),

  • Mobilität integriert (AC/DC-Laden mit Lastmanagement).


Der entscheidende Punkt dabei:


Diese Komponenten werden als System gedacht, nicht als lauter Einzelinvestitionen. So entsteht ein robustes Setup, das Opex senkt, Vermietbarkeit stärkt und den Gebäudewert erhöht – statt Technik-Overkill mit komplexer, störanfälliger Gebäudetechnik.


Fünf Hebel für sinkende Nebenkosten

Für Genossenschaften und große Bestandshalter zählt am Ende immer die gleiche Kennzahl: Was passiert mit den Nebenkosten – heute und in 10–20 Jahren?

In unseren Projekten zeigen sich fünf besonders wirksame Hebel:


  1. Eigenstrom maximieren PV-Anlagen auf Dach/Fassade versorgen Allgemeinstrom, Technik und – je nach Setup – auch Wohneinheiten direkt oder über ein Mieterstrom-/Pauschalmodell.

  2. Lastspitzen kappen, Batteriespeicher und dynamisches Lastmanagement (DLM) reduzieren teure Leistungsspitzen und entlasten den Netzanschluss.

  3. Heizkostenabrechnung vereinfachen oder vermeiden Infrarot-Heizkonzepte können die klassische Heizkostenabrechnung entfallen lassen – das spart Abrechnungsaufwand, Technik und Diskussionen (immer projektspezifisch rechtlich zu prüfen).

  4. Wartung und Störanfälligkeit reduzieren, weniger Hydraulik, weniger komplexe Anlagentechnik bedeutet: weniger Wartung, weniger Störungen, weniger ungeplante kostenintensive Einsätze.

  5. Dynamische Tarife & netzdienliches Laden nutzen, intelligente Steuerung von Speicher und Ladepunkten ermöglicht die Nutzung günstiger Strompreisfenster und vermeidet unnötig teure Bezugszeiten.


Das Ergebnis:


Nebenkosten, die kalkulierbarer und mittelfristig deutlich niedriger ausfallen – ein klares Argument im Wettbewerb um Mieter:innen.


Neubau: robuste Kombinationen statt Technik-Overkill

Gerade im Mehrfamilien-Neubau lohnt es sich, die Technik von Beginn an schlank und elektrisch zu denken:


  • Gute Gebäudehülle + Lüftung mit Wärmerückgewinnung→ niedrige Heizlast, hoher Komfort, gute Luftqualität.

  • Elektrische Wärme z.B. Infrarot-Heizung in den Wohneinheiten in Kombination mit einer zentralen Brauchwasser-Wärmepumpe oder einer zentralen Wärmepumpe mit IR als Spitzenlast.

  • Weniger Technikräume, weniger Zähler, weniger Hydraulik→ weniger Capex in komplexe Technikräume und deutlich geringere Opex.


Das Ziel ist nicht, jede denkbare Effizienzmaßnahme einzubauen, sondern eine robuste, einfach betreibbare Lösung, die sich in der Praxis bewährt – und mit der Ihre Hausverwaltung gut umgehen kann.


Bestand: Ihr 4-Schritte-Pfad zur Energiezentrale


Im Bestand sind die Rahmenbedingungen oft komplexer – aber gerade hier liegt das größte Potenzial. Bewährt hat sich ein 4-Schritte-Ansatz, den ich auch auf der Immo Messe vorgestellt habe:


  1. Verbräuche & Lastgänge erfassen Strom, Wärme, Mobilität: Wo stehen Sie heute wirklich? Ohne Daten kein gezielter Umbau.

  2. PV-Potenzial & Zähler-/Rechnungsstruktur klären, wie viel PV ist baulich möglich? Welche Messkonzepte und Abrechnungsmodelle erlauben rechtssichere und wirtschaftliche Lösungen?

  3. Pilotwohnung mit IR oder Mini-Wärmepumpe Testen, messen, lernen – anstatt die komplette Anlage im Blindflug zu erneuern.

  4. Roll-out: BESS, DLM & Ladepunkte, auf Basis der gemessenen Daten wird das Konzept ausgerollt: Speicher, Lastmanagement, AC-/DC-Ladepunkte und ggf. Anpassung der Miet- und Nebenkostenmodelle.


Beispiel-Business-Case: 20 Wohneinheiten


In der Präsentation habe ich einen beispielhaften Businesscase gezeigt:


  • 20 Wohneinheiten

  • ca. 120 kWp PV

  • 100 kWh Batteriespeicher

  • 10 AC-Ladepunkte

  • Wärme: Infrarot in den WE, zentrale BWWP, dezentrale Lüftung.


Effekte:


  • Wegfall der klassischen Heizkostenabrechnung (projektspezifisch rechtlich zu prüfen),

  • reduzierte Wartung,

  • sinkende Opex und

  • in vielen Fällen ein Payback im Bereich von ca. 7–9 Jahren, abhängig von Objekt, Energiepreisen und Fördermitteln.


Zusätzlich entsteht die Option, Pauschalmieten inklusive Energie oder Energie-Flatrate-Modelle zu denken – ein starkes Marketing-Argument in einem angespannten Mietmarkt.


Nichtwohngebäude und gemischte Nutzungen: Synergien heben


Für viele Genossenschaften und Entwickler sind Mischnutzungen interessant – z.B. Erdgeschoss-Gewerbe plus Wohnen. Genau hier spielen Energiezentralen ihre Stärken aus:


  • Gewerbe hat Tageslastprofile, die ideal zu PV-Erzeugung passen.

  • Batteriespeicher glätten Lastspitzen und schonen den Netzanschluss.

  • Ladepunkte für Mitarbeitende und Kundschaft erhöhen die Standortattraktivität.

  • Überschüsse können Wohnungen, Allgemeinstrom oder perspektivisch sogar Quartierslösungen versorgen.


Kurz: Die Kombination von Wohn- und Nichtwohnnutzung kann energetisch und wirtschaftlich ein echter Vorteil sein – wenn sie systematisch geplant wird.


Förderung & Finanzierung: ROI zuerst, Förderung parallel


Ein wichtiger Punkt aus dem Vortrag, der oft unterschätzt wird: Förderungen sind ein Turbo – aber kein Geschäftsmodell.


Mein Vorgehen:


  1. ROI-Logik zuerst Projekte priorisieren, die ohne Förderung eine Amortisationszeit von unter 8–10 Jahren erreichen können.

  2. Fördercheck parallel Bund, Land, KfW – Förderprogramme werden ergänzend „obendrauf“ gelegt, um die Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern.

  3. Aktiver Bankdialog Wenn Opex sinken und Einnahmen aus Energie-/Lademodellen hinzukommen, steigt der Objektwert. Das ist für Banken interessant – und sollte aktiv im Finanzierungsgespräch genutzt werden („Opex ↓ ⇒ Wert/Beleihung ↑“).

  4. Schrittweise Umsetzung In Etappen vorgehen, Pilotobjekt definieren, lernen – und dann skalieren.


Praxisbeispiel: HSG GmbH&Co.KG Firmengebäude (Innovation HUB)


Dass diese Konzepte nicht nur auf dem Papier funktionieren, zeigt mein eigenes Projekt, was vor über 10 Jahre realisiert wurde:


  • Firmengebäude mit PV-Anlage (ca. 70 kWp),

  • Energiespeicher,

  • Infrarot-Heizung,

  • 8 Ladepunkten für Elektromobilität.

  • Dezentrale Lüftung

  • Digitale Vernetzung der Sektoren und Visualisierung der Energieflüsse


So kommen wir auf nur rund 33 kWh/m²·a für Heizung und Warmwasser – inklusive hohem Komfort und moderner Ladeinfrastruktur am Gebäude.


Firmengebäude HSG GmbH&Co.KG
Firmengebäude HSG GmbH&Co.KG

Aus dieser Erfahrung – plus vielen begleiteten Projekten – ist der Ansatz „Vom Gebäude zur Energiezentrale“ entstanden.


Wie Sie starten können: FHC Quick-Check Immo


Um aus Ideen konkrete Projekte zu machen, habe ich den FHC Quick-Check-Immo entwickelt. Zielgruppe sind genau die Akteure, die ich auf der Immobilien-Messe Stuttgart angesprochen habe: Wohnbaugenossenschaften, große Immobilienentwickler und professionelle Real Estate Investoren.


Im Quick-Check klären wir in 2–4 Wochen:

  • Wo stehen Ihre Objekte energetisch und wirtschaftlich heute?

  • Welches Systemkonzept (PV, Speicher, Wärme, Mobilität) passt zu Ihrem Bestand/Neubauvorhaben?

  • Wie sieht ein realistischer Maßnahmen- und Investitionspfad aus (Capex, ROI, Opex-Entwicklung)?

  • Welche Förder- und Mietmodell-Optionen (z.B. Pauschalmiete/Energie-Flatrate) sind sinnvoll?


Optional kann ein En-ROADS-Impulsworkshop dabei helfen, Vorstand, Geschäftsführung und Aufsichtsgremien gemeinsam auf die Transformation einzustimmen – und ein klares, geteiltes Bild von Klimazielen, Risiken und wirtschaftlichen Chancen zu entwickeln. Ergänzend sind projektbezogene Infoformate für Bewohner:innen und Käufer:innen sinnvoll, um auch die späteren Nutzer frühzeitig mitzunehmen und Akzeptanz für den Wandel zu schaffen.


Frank-Hummel-Consulting En-Roads Workshop
Frank-Hummel-Consulting En-Roads Workshop

Fazit


Für Wohnbaugenossenschaften und große Immobilienentwickler geht es in den nächsten Jahren nicht nur darum, Gebäude zu bauen oder zu sanieren – sondern darum, Energiezentralen zu entwickeln, die:


  • Nebenkosten senken,

  • Resilienz und Wert steigern und

  • Mieter:innen planbare Gesamtkosten und moderne Mobilität bieten.


Wenn Sie mit einem konkreten Objekt starten möchten, begleite ich Sie gerne als Business-Partner für die Transformation – vom ersten Quick-Check bis zur Umsetzung.


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